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Nähmaschinenfabrik Pfaff

Durch die Reparatur einer Nähmaschine der Firma Howe, die er für einen Freund durchführte, war der Blasinstrumentenbauer Georg Michael Pfaff (1823–1893), auf die Idee der Fabrikation von Nähmaschinen gekommen. 1862 gründete er eine Nähmaschinenfabrik, deren Werkstatt schon 1872 vergrößert werden konnte. Pro Jahr wurden 3000 Stück produziert. Die Nähmaschinen wurden in ganz Deutschland verkauft und nach Böhmen, in die Schweiz, nach Schweden und Norwegen exportiert. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm dessen Sohn Georg Michael Pfaff die Leitung des Betriebes. Die 1881 gegründete Nähmaschinenfabrik König & Co. wurde 1900 von Pfaff aufgekauft und neue Fabrikgebäude errichtet. Der Tod von Georg M. Pfaff im Jahre 1917 brachte seine Schwester Lina Pfaff als alleinige Erbin an die Spitze des Betriebes.

Lina Pfaffs soziales Engagement war vorbildlich. Noch zusammen mit ihrem Bruder beschloß sie 1911 den Bau des Pfaffbades, das 1924 fertiggestellt und 1975 mit stadtgeschichtlicher und auch kunsthistorischer Ignoranz abgerissen wurde. Das Bad bot allen Bürgern die Gelegenheit, Wannenbäder zu nehmen – davon profitierten vor allem diejenigen, die in ihren eigenen Wohnungen dazu nicht die Möglichkeit hatten. Für die Arbeiter ihrer Firma baute sie  in der Nähe des Werksgeländes eine Wohnsiedlung. Die von den Architekten Hermann Hussong und Alois Loch gebaute ,Pfaff-Siedlung‘ war ein vorbildlicher Wohnungsbau, mit kleinen Häusern auf eigenem Grundstück und mit eigenem Garten.

Die Holzgehäuse der Pfaff’schen Nähmaschinen wurden von der Kaiserslauterer Möbelfabrik Eckel geliefert, die Gestaltung des Fußgestells und des Dekors gab man bei namhaften Künstlern, etwa bei Peter Behrens, in Auftrag. Für die Werbung gewann man auch Sepp Semar, der über die Pfalz hinaus bekannt war. Die Firma exportierte weltweit, auch nach Mittel- und Südamerika. Auch Karl Reichert in Mexiko bekam mitunter von den Generalvertretern von Pfaff Besuch.

Lina Pfaff erhielt im Jahre 1925, gleichzeitig mit Fröhlich, den Kommerzienratstitel. Auch ihr Vater war schon mit diesem Titel ausgezeichnet worden. 1926 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Drei Jahre später starb Lina Pfaff als Ehrenbürgerin der Stadt Kaiserslautern. Karl Pfaff, ihr Neffe, wurde Vorstandsmitglied der G. M. Pfaff A.G. Wie viele andere Betriebe arbeitete Pfaff während der allgemeinen Rezession Anfang der 30er Jahre nur noch reduziert. „Näh-Pfaff arbeitet nur noch 4 Tage in der Woche, ist aber so kapitalstark, daß durchgehalten werden kann“, schrieb Fröhlich 1931 (15/1/1931). Der Betrieb überstand alle Krisen und den 2. Weltkrieg: 1951 verdienten 5300 Arbeiter wieder ihr Geld bei Pfaff. Nach einem Insolvenz Verfahren 2009 ging die Firma an einen neuen Eigentümer an einem anderen Standort.