Edition

Ein Briefwechsel als WordPress-Edition – ein wohl ungewöhnliches Unterfangen, das einer Begründung bedarf. Es geht dabei nicht um Sinn und Zweck einer digitalen Edition. Sicher, handelte es sich hier um die Korrespondenz zweier großer Persönlichkeiten der Geschichte, deren brieflicher Gedankenaustausch neue und vielleicht sogar ungeahnte Einsichten in bestimmte Themen oder Epochen der Weltgeschichte lieferte, so hätte man dies vielleicht gerne in einer mit zwei Buchdeckeln versehenen Form im eigenen Bücherregal stehen oder würde es für die Institutsbibliothek anschaffen. Allen anderen Anwendungszwecken kommt eine digitale Edition sicher mehr entgegen. Sie ist besser verfügbar und erzielt dadurch mehr Reichweite, sie ist flexibler nutzbar und auch einfacher erschließbar, also mit Registern, Glossaren etc. zu versehen. Eine digitale Edition bietet außerdem die Möglichkeit der sukzessiven Publikation und schließlich auch der Korrekturen und Ergänzungen. 

Die Frage ist also: Warum gerade WordPress? Der erste Teil der Antwort lautet: Weil WordPress inzwischen nicht mehr nur ein gängiges Blog-Format ist, sondern ein übersichtliches und relativ leicht zu beherrschendes CMS, mit einer großen und weltweiten Community außerdem. Der Aufbau einer WordPress-Webseite ist immer gleich: Es gibt eine ,dynamische’ Seite, die zur fortlaufenden Aufnahme neuer Beiträge gedacht ist; daneben lassen sich mehrere ,statische’ Seiten einrichten, die grundsätzliche Informationen bereithalten. WordPress stellt ein Repertoire an Stil-Optionen bereit, sogenannten ,Themes’ – sie bestimmen das Erscheinungsbild der Website. Das Layout der Seiten ist aber im Wesentlichen festgelegt. Man kann also sofort loslegen, hat aber auf der anderen Seite nur mit fortgeschrittenen Programmierkenntnissen die Möglichkeit, am Layout etwas zu verändern. Dies gilt auf jeden Fall für wordpress.com, eine der beiden WordPress-Varianten. WordPress.org muss selbst gehostet werden, stellt aber eine Vielzahl von (kostenlosen und auch entgeltlichen) Plugins und Programmierungsmöglichkeiten bereit, mit denen sowohl das Layout verändert werden, vor allem aber Funktionen hinzugefügt werden können – Verschlagwortung und Register, Tiptool, Sortierung der Beiträge, SEO, Backups, etc. etc. Dabei fallen aber Kosten für das Hosting an. 

Nicht umsonst findet WordPress deshalb inzwischen auch als Plattform für die Publikation wissenschaftlicher Beiträge vermehrt Verwendung. Von noch größerem Nutzen könnte die Plattform aber im Sinne einer ,Public History’ sein – indem sie jedermann und jederfrau die Möglichkeit bietet, nicht nur lokalhistorische ,Ergüsse’, sondern eben auch die ,Quellen’ der Orts- oder Familiengeschichte zu publizieren, sei es als Bild oder Digitalisat, oder als (kommentierte) Transkription bzw. Edition, wie im Fall des Briefwechsels von Fröhlich und Reichert. Und genau an dieser Stelle kommt mit der eingebauten Kommentarfunktion von WordPress ein weiteres ,Public History’-Element ins Spiel: Gerade was Orts- oder Familiengeschichten betrifft  bietet WordPress hier ein Werkzeug, mit dem das Schwarmwissen der Mitbürger*innen (oder Verwandten) gesammelt werden kann – unbekannte Details, Anekdoten, Fotografien, die nun alle in einem größeren Zusammenhang stehen und vielleicht neue Perspektiven eröffnen. Und schließlich sind die Kommentarspalten von WordPress auch eine Diskussionsplattform – die freilich moderiert werden muss. Auch was sich Fröhlich und Reichert gegenseitig über ihre Sicht auf die Weltpolitik schreiben, läßt nicht selten den Wunsch nach einer Kommentierung aufkommen, und sei es aus der Perspektive nachfolgender Generationen.

Die vorliegende Edition bringt also in fortlaufender Folge – wie ein Blog – die Briefe Fröhlichs und Reicherts zum ,Druck’, immer wieder werden begleitende Dokumente, Bilder, Hintergrundinformationen oder auch Informationen zum editorischen Vorgehen veröffentlicht werden.

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