Brief an Ottmann

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MEXICO, 18. September 1919

Mein verehrter Herr Ottmann!

Lange ist es her, dass ich keine direkte Correspondenz mehr von Ihnen hatte und auch heute sträubt man sich fast, zu schreiben, da man doch nicht weiss, ob die Briefe ankommen und man durch all das furchtbare Unglück, was über uns hereingebrochen ist, fast alle Freude verloren hat.

Ich hörte auf Umwegen durch meine Mutter von dem Ableben Ihres Sohnes und meines alten Freundes Ludwig und nehme an, dass meine Bitte an meine Mutter, Ihnen und der geschätzten Frau Ottmann mein herzlichstes Beileid auszudrücken, angekommen und erfüllt worden ist. Ich möchte hiermit wiederholen, wie sehr es mir leid tat, nach der Nachricht des Herrn Carl Ottmann auch noch diese Trauerbotschaft zu erhalten. Ich hoffe nur, dass Sie und Frau Ottmann diese Zeiten so gut als es überhaupt möglich, überstanden haben. Ich habe oft an Sie Alle gedacht: Sie wissen, dass ich Ihnen in alle den Jahren (es werden nächstens 25, seit ich bei Ihnen austrat) eine treue Dankbarkeit und Anhänglichkeit bewahrt habe. Ob ich noch einmal Gelegenheit habe, Ihnen das mündlich zu versichern, möchte ich nach Lage der Dinge bezweifeln, denn es verlangt mich nicht mehr, ein Land zu sehen, das sich in solcher Verfassung befindet. Wir haben hier 10 Jahre Revolution mitgemacht und sind damit noch lange nicht fertig, aber das geht doch nicht so tief, wie wenn es zu Hause passiert. Auch ist meine Lage stark verändert, denn wir haben durch unsere Anlagen in Mark schwere Schläge bekommen. Da heisst es, sein Kreuz wieder aufpacken und weiterarbeiten und den schönen Träumen von Ausruhen Valet sagen.

Inzwischen habe ich auch meinen Socius Reith verloren, der im Februar starb, nachdem ich ihn zum Socius gemacht, um mich zu entlasten und einen Nachfolger zu haben. Wahrscheinlich wird nun Herr F. Albert wieder herauskommen, und wir müssen sehen, wie wir uns arrangieren. Wir müssen angesichts der veränderten Verhältnisse eine Newyork-Niederlassung haben und einer von uns wird dahin gehen, während der Andere hier in México bleibt. Ob Herr F. Albert die hiesige Leitung, die ungleich schwieriger ist, acceptiert, bleibt abzuwarten, ich für mein Teil möchte sie gerne los sein, denn es ist reichlich viel geworden, wegen der Vielfältigkeit unserer Unternehmungen, denn die letzten Jahre haben uns gezwungen, uns wieder mehr dem Bankgeschäft zu­zuwenden, neben einem landwirtschaftlichen Betrieb, der aufgenommen werden muss, sobald die Zustände es erlauben und unserer industriellen Betätigung. Unter diesen Umständen habe ich die Stellung als Vorsitzender des Verwaltungsrats der D. Oberrealschule aufgeben müssen. Das Generalkonsulat bin ich durch den Krieg losgeworden, aber es blieb immer noch zuviel.

Mein Ältester ist auf einer Kaffee-Plantage an der Grenze von Guatemala, mein Töchterchen, die jetzt 18 ist, ist in der Unterprima und beabsichtigt, Medizin zu studieren. Die Zwillinge, bald 17 alt, traten nach Erlangen ihrer Primareife in die Kaufmannschaft, der Eine bei uns, der Andere bei der hiesigen Vertretung der Farbenfabriken Bayer/Elberfeldii. An den Kindern sieht man, dass die Jugend weg ist.

Meine Tante Hedwig ist noch bei mir und gesundheitlich können wir nicht klagen. Ich muss mich wundern, dass ich die letzten 6 Jahre ohne Urlaub ausgehalten, denn es ging manchmal etwas toll her.

Meine Mutter scheint einen schweren Anfall von Rheuma gehabt zu haben und ich habe sie sehr gebeten, doch nach hier zu kommen, aber sie scheint keine Lust dazu zu haben. Dagegen erwarte ich einen Sohn meines Bruders aus Ludwigshafen, der bei uns eintreten soll. Auch ein Sohn des Postassistenten Matias Reichert aus Kltrn, der in Freiburg studierte, will umsatteln und herauskommen.

Geschäftlich sind wir natürlich ausserordentlich schwer mitgenommen worden und Alles ist verändert, sodass wir wieder neu aufbauen müssen. Das wird eine Menge Arbeit geben, aber das wäre auszuhalten.

Wie geht es nun Ihnen? Was macht die Firma? Hoffentlich höre ich bald Näheres von Ihnen, denn O & C ist mir immer noch eine hochinteressante Sache. Ich bin begierig, zu hören, wie Sie die Verhältnisse überstanden haben und was Sie für Pläne haben. Ist Fröhlich noch bei Ihnen? Ich habe von ihm auch schon lange nichts mehr gehört.

Für heute schliesse ich mit der nochmaligen Versicherung meines tiefen Beileids für Ihre Verluste und herzlichen Grüssen und Wünschen für Ihr Wohlbefinden.

Ihr Sie stets verehrender
C. Reichert

Darf ich Sie bitten, auch den Herren Beamten der Firma meine besten Grüsse zu übermitteln?

[i] Der Briefkopf links oben ausgeschnitten, mittig „MEXIKO/Apartado 146“. [ii] Wuppertal

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México, 26. November 1915

Mein lieber Fröhlich!

Ich empfing jetzt mit der kleinen Verspätung Deine l. Zeilen vom 9. Juni (5 Monate spielen bei uns hier jetzt gar keine Rolle) und brachten mir dieselben des Interessanten vieles. Hu­ber scheint nach drüben allen möglichen Quatsch geschrieben zu haben. Bei der Contributionsgeschichte war die Sache so, dass man allen Geschäften eine Extracontribution zur Linde­rung der Not aufbrummen wollte. Diese Not kommt daher, dass wir hier Mo­nate lang ohne Eisenbahnverbindung waren und keine Lebensmittel hereinkommen konnten. Nachher, als einige kurze Strecken aufge­macht wurden, haben die Offiziere das Geschäft an sich genommen und sonstige Waren nicht befördern lassen. Mais kostete z.B. in Queréatro 18 $ der Sack und hier ca 100 km entfernt, war unter 200 $ Sack nichts zu bekommen. Ferner will das edle niedrige Volk dank der demagogischen Umtriebe nichts mehr tun. Seine Miete zu zahlen, wird glatt als Verrat an der Volkssache er­klärt. Und nun sollen wir noch ungeheure Steuern zahlen, damit der Krapuelei noch mehr geschmeichelt wird und sie gar nichts mehr zu tun brauchen? Trotz alledem haben wir Ausländer hier grosse Beträge gezeichnet, dummer­weise, denn es hat nur den Zweck, den Pöbel noch fauler zu machen. Alles schreit nach Un­terstützung, aber wenn man ihnen was zu arbeiten geben will, dann gehen sie weg. Wir fremden Kolonien sind damals zusammen­getreten und haben beschlossen, Front gegen diese Übergriffe zu machen und durch 3wöchentliches Schliessen haben wir es er­reicht, dass die fa­mose Steuer abgeschafft wurde. Das war al­lerdings schon nach 3 Tagen erreicht gewesen, aber da wir gar kein Interesse am öffnen hatten, so wollte die Mehrzahl noch andere Dinge durchdrücken, die mit der Steuer gar nichts zu tun hatten. Ich persönlich war dagegen, denn nachdem wir die Haupt­sache erreicht hatten, sollte man dem damaligen Machthaber nicht so vor den Kopf stossen, ich wurde aber überstimmt.

Glücklicherweise wurde der Mann abberufen, sonst glaube ich, dass wir in anderer Weise hätten doch daran glauben müssen. Die Verhältnisse heute haben sich etwas gebessert, und ich habe die Meinung, dass der Chef Carranza wohl der Mann ist, der uns wenigstens einigermassen wieder eine gewisse Ordnung geben kann, vorausge­setzt, dass der scheinheilige Professor in Washingtonii nicht wieder seine alte Politik anfängt, immer wieder neue Aufwieg­ler gegen die Regierungspartei zu unter­stützen. Das arme Land, dem infolge meines langen Aufenthalts hier meine ganze Sympathie gehört, kommt sonst ganz auf den Hund. Leider hat die Mo­ral der Revolutionäre schon sehr ge­litten, aber wenn eine starke Hand wieder ans Ruder kommt – und Carranza hat diese Hand – dann ist zu hoffen, dass es einmal wieder besser wird.

Seit März haben wir nur bei den Tagen der verschiedenen Regie­rungswechsel, so weit dabei in den Strassen geschossen wurde, geschlossen gehabt. Seit 1 Jahr haben wir 8 mal ge­wechselt, wo­bei die einrückende Partei das Papiergeld, womit die vorige die Stadt überschwemmt hatte, anullierte. Du kannst Dir einen Be­griff machen, was das für ein angenehmes Arbeiten ist. Wir ha­ben ein Sammelsurium von Papiergeld, das eine Wissenschaft für sich vorstellt. Lese mal über die franz. Assignaten der Revolu­tion von 1789 nach und dann nehme als Vergleich die Fortschritte, welche auf allen Gebieten menschlichen Wissens ge­macht wurden. Mit dem gleichen Masstab vergrössere die Assigna­tenwirtschaft und dann hast Du noch lange keinen Begriff von dem unglaublichen Kuddelmuddel.

Durch den Kursrückgang von 2.08 auf ca 0,30 per Peso sind wir in unseren Interessen natürlich schwer geschädigt und meine Zu­kunftspläne sind ins Wasser gefallen. An ein Sichzurückzie­hen ist vorerst nicht mehr zu denken. Was will man aber ma­chen? Auch „Durchhalten“, wie drüben. Nur seid Ihr besser dran, denn Ihr wisst dorten, für was Ihr Euch in geringem Grad quält, wäh­rend wir hier machtlos und wehrlos zusehen müssen, wie nach und nach alles zu Grunde gerichtet wird.

Huber ist seit einem Monat nach New York abgereist und schrieb mir, dass er Stellung in einer Versicherungsgesell­schaft gefun­den habe. Er hatte México satt. Bassler geht es fortgesetzt gut. Er war so vorsichtig, Junggeselle zu bleiben und verdient gut, sodass ich denke, dass er sich schon ein nettes Kapitäl­chen gemacht hat. Gesundheitlich geht es mir und meiner Familie sonst erträglich, nur ich muss daran den­ken, mal wieder auszu­spannen, denn ich kam seit März 1914 nicht aus der Stadt her­aus. Man kann aber ohne Lebensgefahr kaum raus und da mein So­cius Graue ausgetreten ist, um sich der Verwaltung seines Land­besitzes zu widmen, so darf ich nicht weg. Wir sind eben daran, einen neuen Contract zu ma­chen, wonach einer der Prokuristen als Socius eintritt. Dann wäre ich etwas freier, aber man hat wenig Neigung, irgendwo­hin zu reisen, ohne dass man weiss, ob nicht mittlerweile die Bahn in die Luft gesprengt wird, was ei­nem selber auch pas­sieren kann.

Mein Schulfreund Korn hat es schon weit gebracht, er war aber auch ein hochintelligenter Mensch.

Der mir mitgeteilte Witz über die Deutschen Diplomaten hat hier circuliert und Anklang gefunden. Mittlerweile haben sie sich etwas durch die bulgarische Sache rehabilitiert. Hof­fentlich wird da später eine Besserung eintreten, wir müssen auch darun­ter Leute haben, die gerissen genug sind, sich nicht die besten Bissen vor der Nase wegfischen zu lassen. Dafür schlagen sich aber unsere Jungens (und auch die Alten) grossartig. Es ist enorm, was da geleistet wird. Wir sind ganz stolz geworden, ob­wohl Du Dir gar nicht vorstellen kannst, wie unglaublich in den Zeitungen gelogen wird. Das ist auch ein Feld, wo wir in der Welt mehr Einfluss haben müssen. Wir sind da viel zu zurückhal­tend und scrupelös.

Was macht O & C? Wie geht es Euch Allen?

Lass bald mal wieder von Dir hören und sei herzlichst ge­grüsst von

Deinem alten Freund!

Dir Bekannt.

Viele Grüsse an die Herren Ottmann. Meine Neujahrswünsche, welche inzwischen abgegangen sind, sind hoffentlich angekom­men.

[i] Krapule (franz. crapule): ,Gesindel’ [ii] Woodrow Wilson, 28. Präsident der USA (1913–1921), zuvor, seit 1890, Professor an der Princeton University.

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[Briefkopf  der Deutschen Schule]1

MEXICO, D.F.2 8. Febr. 1915

Mein lieber Fröhlich!

Da Veracruz von der Hauptstadt fast 3 Monate abgeschnitten war, lag die ganze Post unten an der Küste. Jetzt, nachdem Carranza wieder einmal von México City Besitz ergriffen, kam 14 Wagen Post herauf, auch Dein l. Schreiben vom 19. October, das ich sogleich beantworten will: lange genug war es unterwegs.

Deine Schilderungen sind interessant, finde ich doch schon bestätigt, was uns nur in den ersten Wochen verschleiert war. Nachdem die ersten drahtlosen Meldungen über New York/Sayville kamen, lebten wir von dem Entsetzen wieder auf, das uns angesichts der ersten Kriegsnachrichten ergriffen hatte. Danach war unser Vaterland schon verloren im Hinblick auf die Macht der Feinde. Ost- & Westpreußen & die Reichslande schon besetzt, die Flotte kalt gestellt etc.! Du kannst Dir denken, wie wir darunter litten, denn wir haben hier noch apart unsere großen Sorgen zu tragen. Groß war daher unsere Freude, als die Siegesnachrichten anläßlich der Operationen Hindenburg & der belgisch/franz. Armeen kamen. Leider währte die allzu große Freude nicht lange & wir sind nun wegen der Langsamkeit der Kämpfe enttäuscht – eben, weil wir zu viel erwartet hatten. Man wird die Angst nicht los, daß wir gegen die Übermacht der Feinde auf die Dauer nicht aufkommen. Diese Bedenken finden ihre Nahrung darin, daß fast Alles gegen uns ist & nur die direkten Briefnachrichten, die Alle enthusiastisch & zuversichtlich klingen, geben uns wieder Mut.

Schade, daß man nicht recht warm wird dabei, denn Ihr drüben sprecht z.B. im September zuversichtlich von dem Fall von Verdun, der vor der Tür stehe & bis heute warten wir mit Schmerzen auf dies Ereignis. Trotz alledem haben wir aber das bestimmte Vertrauen in unser Heer & unsere Marine, daß wir den Riesenkampf mit Ehren bestehen werden, nachdem unsere Diplomatie leider Gottes sich gegenüber der unserer Feinde als unterwertig erwiesen hat. Das ist meine feste Meinung: nachdem seit 10 Jahren gegen uns gehetzt wird, mußten wir auch auf dem Plan sein. Die Zerstückelung der Türkei, die wir als natürliche Bundesgenossen zugaben & der Jammerbundesgenosse Italien, der jeden Tag über Österreich herfallen kann, sind Armutszeugnisse für die Herren Diplomaten! Es wird ja Manches nach dem Krieg an den Tag kommen & ich würde mich freuen, wenn sich herausstellte, daß ich im Irrtum bin.

Wir haben hier bei Kriegsausbruch sofort eine eigene Zeitung gegründet, um gegen die unverschämten Lügereien der Engländer anzugehen: unsere besten Argumente werden aber die Hiebe sein, welche unsere braven Soldaten austeilen! Das ist Realpolitik, die unsere Diplomatie noch nicht richtig gelernt hat. Die veranstaltete Sammlung hat unter den Deutschen ca. 180.000 $ ergeben, ferner ca. 12.000 $ für Tabaksendungen, ebensoviel für einen Bazar, abgesehen von vielen kleinen Konzerten etc., die zusammen auch einige tausend $ ergaben. Unsere jungen Leute haben leider nicht nach drüben kommen können & wurden von New Orleans zurückgeschickt. Ottmann soll in Brest sitzen: hast Du nichts von ihm gehört?

Hier ist ein anarchisches Chaos eingerissen, an dessen Entwicklung resp. Entwirrung man verzweifeln könnte. Der Kurs ist von M 2.08 bis auf ca. 60 Pfg gesunken, wodurch natürlich meine (& vieler Anderer) Hoffnungen auf eine baldige, angenehme Stellung als Rentier ins Wasser gefallen sind. Den Rest gab uns der europ. Krieg, der einen energischen Druck auf die USA ausschließt & es uns nicht ermöglicht, nennenswerte Importe zu machen. Wenn es noch einige Monate so fortgeht, müssen wir wohl zeitweilig schließen, da es sich nicht rentiert, die Gehälter weiter zu zahlen. Es ist ein elendes Gefühl, zu solchen Zeiten an der Spitze eines Hauses zu stehen, wo man mit dem besten Willen gegen die Macht der Verhältnisse nicht ankommt.

Hier in der Stadt herrscht momentan schon fast Hungersnot & die Zapatistas aus den Gebirgen südlich der Hauptstadt haben die Wasserleitung abgeschnitten, sodaß großer Wassermangel herrscht. Alle Lebensmittel sind infolge mangelnder Zufuhr auf das 3–4 fache gestiegen & da hunderttausende sengend herumziehen, statt zu arbeiten im Feld, so werden die Ernten immer weiter zurückgehen. Die USA schüren fleißig weiter, bis Mexico ihnen wie eine reife Frucht in den Schoß fällt. Da keine Aussicht ist, daß die streitenden Parteien gewissenloser Hallunken sich einigen, so ist es vielleicht die einzige Rettung, unter die Fuchtel der U.S. zu kommen. Ich sage Dir, es herrschen Zustände hier, die Ihr in Euerer Ordnung & bei der grundanständigen Verwaltung für Lügen halten würdet, wenn man sie Euch erzählte. Am Besten wäre es, wenn ein Mann wie Carranza über die Anderen Übermacht erhielte, aber das ist der Jammer, daß Alles aufeinander einhaut & keiner ist stark genug, mit den Andern fertig zu werden.

Die Lieferung nach Germersheim muß sehr interessant gewesen sein & Du hast da eine ordentliche Arbeit auf Dir gehabt. Ich erinnere mich noch recht gut an einige Details, wie vor über 20 Jahren die Verhandlungen bei O & Co stattfanden.

Wie geht es Dir und Deiner Familie? Bitte, schreibe mir bald ausführlich! Bei uns geht es wenigstens gesundheitlich gut.

Grüße mir bitte die Herren J.O., C.O. & L.O. sowie die alten Kollegen & sei Du selbst mit Familie bestens gegrüßt von

Deinem alten Freund!

C. Reichert

 

[i] [Schule der Deutschen Kolonie/(Colegio de la colonia alemana S. A.)/Direccion del consejo administracion:/Apartado 146./Direccion del director:/Calzada de la piedad, 81.] [2] Ab hier handschriftlich.

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2. Juni 1914

Mein lieber Fröhlich!

Ich komme erst heute zur Beantwortung Deiner l. Zeilen vom 16. Dezember und zwar, wie Du nachher sehen wirst, aus einem sehr egoistischen Grunde. Ich hätte Dir gerne schon früher geschrieben, aber die Zustände sind so deprimierend hier, dass ich abwarten wollte, bis ich bessere Nachrichten geben könnte. Die Geschichte hat sich aber immer mehr zugespitzt und wer weiss, was aus dem Zauber noch wird. Die USA verfolgen da eine grosszügige Politik und werden nicht locker lassen. Ich sehe für die Staaten eine absolute Notwendigkeit darin, die Länder zwischen ihrem Territorium und dem Panamakanal unter ihre Fuchtel zu bringen und das werden sie auch früher oder später erreichen. Für diese Länder, denen man eine scheinbare Unabhängigkeit lässt, ist der Zustand auch tatsächlich der beste, denn diese Leute sind nicht fähig, sich selbst zu regieren. Der weitaus grösste Teil der Bevölkerung sind Indianer, welche weder lesen, noch schreiben können und diese Leute stehen auf der niedersten Stufe der Civilisation, wofür der Beweis die unerhörten Greueltaten sind, welche wir nun schon seit über 3 Jahren mitansehen müssen. Du machst Dir keinen Begriff, was diese traurige Bande Alles sich leistet und wenn es noch lange so weiter geht, so ist das halbe Land eine Ruine. Der geringe Prozentsatz besserer Elemente kümmert sich nur um sich und Alles andere ist ihm egal. Man redet furchtbar viel und schön, begeistert sich für das Vaterland, aber wenn es sich darum handelt, einmal Gewehrgriffe zu üben, dann zieht sich alles gleich zurück. Ich kann Dir sagen, dass ich es sehr bedauert habe, nicht vor einigen Jahren nach drüben gegangen zu sein. Statt schön zu verdienen, sitzt man nun hier und hat mehr Sorgen wie sonst was. Man kann noch froh sein, wenn nicht eines „schönen“ Tages der ganze Kramladen ausgeplündert wird und womöglich das Haus angezündet wird, wie diese edlen Patrioten das an so und so vielen Plätzen getan haben zur grösseren Ehre des Vaterlands. Uns hat die Gesandtschaft schon vor Wochen geraten, nach drüben zu gehen, aber das ist ausgeschlossen. Ich wollte die Familie und die jungen Leute wegschicken, aber sie haben opponiert und wollen aushalten. In dieser Lage sind wir und unsere einzige Hoffnung ist, dass die USA endlich Ernst machen und richtig zu kommandieren anfangen. Sympathisch sind mir die Herrschaften auch nicht, aber ich ziehe sie den hiesigen Ehrenmännern doch 1000 Mal vor.

An  H U B E R  ist nicht viel. Du beurteilst ihn richtig als „fackelig“ und das ist er auch. Er gibt sich viel Mühe, aber ist sehr nervös & zerfahren.

An der Schutzorganisation habe ich mich nur durch eine Geldspende beteiligt, denn ich wohne nicht in jener Zone, unser Geschäft zu verteidigen, ist mir wichtiger, aber wenn die Andern Spass daran haben, so mögen sie es tun. Ottmann hat sich mit einem unserer Prokuristen gezankt und ist einmal wieder ausgetreten. Er ist jetzt bei einem Agenten für amk. Artikel und ganz zufrieden. Bassler geht es sehr gut.

Meiner Familie gleichfalls und ich selbst kann gesundheitlich nicht klagen und mit dem geschäftlichen Kram habe ich mich abgefunden. Es werden auch mal wieder bessere Zeiten kommen. Ende dieses Monats tritt mein Kollege Graue von der Leitung, die er mit mir zusammen ausübte, zurück, bleibt für den Rest seines Contracts (1 Jahr) „zur Disposition“ und wird dann wohl stiller Teilhaber werden. Ich kriege dann etwas mehr Arbeit, aber es ist jetzt so wenig los, dass ich froh bin, noch Einiges dazuzunehmen [sic] zu können. Wie es mit dem nächsten Contract wird, wissen die Götter. Die Herren drüben wünschen, dass ich eine kurze Reise mache, um mit ihnen zu conferieren, aber unter den jetzigen Verhältnissen kann ich meinen Posten nicht verlassen. Dazu ist der Kurs so gefallen, dass ich meine Familie nicht mitnehmen möchte, denn das würde zu teuer kommen und allein gehen und sie jetzt hierlassen, mag ich auch nicht. Ich hätte es  allerdings nötig, auszuspannen, denn ich war seit 8 Jahren nicht mehr drüben, aber was nicht geht, geht nicht.

Wie geht es Dir, Deiner l. Frau und der Kronprinzessin? Schreibe mir auch in dem nächsten Brief etwas über dortiges Wissenswerte. Du weisst, Lautern interessiert mich immer.

Nun komme ich zu meinem Anliegen. Ich möchte gerne für meine Kinder eine Art Sparkasse machen, bezw. das was sie schon haben, in deutschen Papieren ablegen und dann immer weiter dazu kaufen. Ich sende Dir anbei einen Check über M 700,-, den ich der Einfachheit halber an die Order Deiner Firma stellte und bitte Dich, dafür durch ein dortiges Bankhaus, das auch Depositen verwaltet, 4%ige Papiere, Deutsche Reichsanleihe oder Bayr. Anleihe kaufen und diese in einer 1a Bank als Depot zu hinterlegen. Die Zinsen können immer gutgeschrieben werden und werden mit den neuen Rimessen (150–200 M pr. Mt) zum Ankauf weiterer Papiere verwandt. Ich denke, dass die Rhein. Kreditbank solche Geschäfte besorgt, bin aber mit allem einverstanden, was Du darin machst. Damit ich Dich nicht permanent zu piesacken brauche, bitte ich Dich, mich der Bank zu empfehlen und sie anzu­weisen, mir direct Anzeige zu machen. Im Voraus herzlichen Dank für Deine Bemühungen.

Ich bitte Dich, die Herren Jacob, Karl und Ludwig Ottmann herzlichst zu grüssen, ebenso die anderen mir bekannten Herren der Firma und sei selbst mit Deiner l. Frau bestens gegrüsst von

Deinem alten Freund!
C. Reichert

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México, 17. Juli 1913

Mein lieber Fröhlich!

Es hat mich sehr gefreut, durch meine Tante und mein kleines Gör mal wieder direct etwas von Lautern gehört zu haben. Beide sind in Hubers Begleitung am 7. ds. in Veracruz ange­kommen, haben sich glänzend erholt und Jedes brachte einen Gewichtszuwachs von 5–6 Kilo mit. Das möchte ich mir auch mal wünschen, denn ich bin noch genau so dick oder dünn, wie damals, wo ich von Lautern weg bin.

Ich möchte Dir meinen herzlichsten Dank für die liebenswürdige Aufnahme meiner Reisenden ausdrücken und bitte Dich, dies auch Herrn Ottmann und Familie auszusprechen, bis ich Ihnen selbst schreibe. Besonders meine Kleine weiss nicht genug Rühmenswertes zu erzählen. Ich hätte etwas darum gegeben, wenn ich hätte selbst dabei sein können, denn es sind nun 7 Jahre, dass ich nicht mehr dorten war & so wie die Dinge liegen, werde ich so schnell auch nicht wieder hinkommen, denn ich bin leider hier sehr nötig und hätte auch selbst keine Ruhe, in so bewegten Zeiten das Steuer abzugeben. Wenn dann was schlimmeres passierte, würde ich mir ewig Vorwürfe machen.

Unsere Verhältnisse hier sind noch immer entsetzlich verworren und man sieht gar kein Ende. Man hat allgemein die Überzeugung, dass die Vereinigten Staaten schüren und mit so mächtiger Hilfe fällt es der Regierung natürlich schwer, gegen den Tohuwabohu anzukommen.

Doch ich will Dir nicht zu viel von Politik erzählen, denn ich hörte, dass Du einmal einen Brief von mir veröffentlicht hättest und da muss ich mich sehr in Acht nehmen. Ich darf wohl als Privatperson sagen, was ich will, in meiner Eigenschaft als Generalkonsul geht das aber nicht. Wenn ich also einmal auf die Zustände schimpfe, so geht das nur Dich an. Man kann da nicht vorsichtig genug sein. Es liegt mir zwar nicht viel an meiner Würde, denn sie bringt so manche Last mit sich, aber es ist mir lieber, ich lege sie einmal selbst nieder, als dass man abgesägt wird.

Meine Tante wird Dir wohl erzählt haben, dass sie ihre Rückreise früher als vorgesehen antreten musste, weil meine Mutter immer mehr abmagerte und der Arzt sagte, sie müsse nach drüben, da seiner Ansicht nach eine Operation nötig werden würde. Ich wollte sie daher schon Mitte Juni abreisen lassen, aber sie weigerte sich, wegzureisen, bevor ihre Schwester wieder hier wäre. Da blieb mir also nichts übrig, als zu telegrafieren. Ich war in Veracruz, um sie abzuholen, konnte mich aber nicht entschliessen, meine Mutter hinunterzubegleiten, denn Veracruz ist jetzt der reinste Backofen. Es ging ohne mich, da der Director der Deutschen Schule mitfuhr, der auch nach drüben auf Urlaub ging. Hoffentlich wird die Operation nicht nötig, wenn aber, so hoffe ich, dass sie sie gut übersteht und dann wieder zurückkommt. Sie hat doch natürlich bei mir mehr Bequemlichkeit, als sie sich dorten schaffen kann.

Die Verhältnisse liegen ja leider so, dass ich jetzt nicht daran denken kann, nach Beendigung meines Contracts (Mitte 1915) mich zurückzuziehen, denn die traurigen Zustände haben uns natürlich manche Schlappe verursacht und den Verdienst böse mitgenommen. Auch der Umstand, dass mein Partner schwer geerbt hat und nun sogar noch ein Jahr früher austreten will, spielt mit und die Kommanditäre des Hauses werden nicht zugeben, dass die Leitung direct auf die Prokuristen übergeht, am allerwenigsten in solchen Zeiten, wo enorm aufgepasst werden muss. Zu allem Pech haben wir auch wieder [Fortsetzung fehlt]

Nähmaschinenfabrik Pfaff

Durch die Reparatur einer Nähmaschine der Firma Howe, die er für einen Freund durchführte, war der Blasinstrumentenbauer Georg Michael Pfaff (1823–1893), auf die Idee der Fabrikation von Nähmaschinen gekommen. 1862 gründete er eine Nähmaschinenfabrik, deren Werkstatt schon 1872 vergrößert werden konnte. Pro Jahr wurden 3000 Stück produziert. Die Nähmaschinen wurden in ganz Deutschland verkauft und nach Böhmen, in die Schweiz, nach Schweden und Norwegen exportiert. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm dessen Sohn Georg Michael Pfaff die Leitung des Betriebes. Die 1881 gegründete Nähmaschinenfabrik König & Co. wurde 1900 von Pfaff aufgekauft und neue Fabrikgebäude errichtet. Der Tod von Georg M. Pfaff im Jahre 1917 brachte seine Schwester Lina Pfaff als alleinige Erbin an die Spitze des Betriebes.

Lina Pfaffs soziales Engagement war vorbildlich. Noch zusammen mit ihrem Bruder beschloß sie 1911 den Bau des Pfaffbades, das 1924 fertiggestellt und 1975 mit stadtgeschichtlicher und auch kunsthistorischer Ignoranz abgerissen wurde. Das Bad bot allen Bürgern die Gelegenheit, Wannenbäder zu nehmen – davon profitierten vor allem diejenigen, die in ihren eigenen Wohnungen dazu nicht die Möglichkeit hatten. Für die Arbeiter ihrer Firma baute sie  in der Nähe des Werksgeländes eine Wohnsiedlung. Die von den Architekten Hermann Hussong und Alois Loch gebaute ,Pfaff-Siedlung‘ war ein vorbildlicher Wohnungsbau, mit kleinen Häusern auf eigenem Grundstück und mit eigenem Garten.

Die Holzgehäuse der Pfaff’schen Nähmaschinen wurden von der Kaiserslauterer Möbelfabrik Eckel geliefert, die Gestaltung des Fußgestells und des Dekors gab man bei namhaften Künstlern, etwa bei Peter Behrens, in Auftrag. Für die Werbung gewann man auch Sepp Semar, der über die Pfalz hinaus bekannt war. Die Firma exportierte weltweit, auch nach Mittel- und Südamerika. Auch Karl Reichert in Mexiko bekam mitunter von den Generalvertretern von Pfaff Besuch.

Lina Pfaff erhielt im Jahre 1925, gleichzeitig mit Fröhlich, den Kommerzienratstitel. Auch ihr Vater war schon mit diesem Titel ausgezeichnet worden. 1926 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Drei Jahre später starb Lina Pfaff als Ehrenbürgerin der Stadt Kaiserslautern. Karl Pfaff, ihr Neffe, wurde Vorstandsmitglied der G. M. Pfaff A.G. Wie viele andere Betriebe arbeitete Pfaff während der allgemeinen Rezession Anfang der 30er Jahre nur noch reduziert. „Näh-Pfaff arbeitet nur noch 4 Tage in der Woche, ist aber so kapitalstark, daß durchgehalten werden kann“, schrieb Fröhlich 1931 (15/1/1931). Der Betrieb überstand alle Krisen und den 2. Weltkrieg: 1951 verdienten 5300 Arbeiter wieder ihr Geld bei Pfaff. Nach einem Insolvenz Verfahren 2009 ging die Firma an einen neuen Eigentümer an einem anderen Standort.

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México, 8. März 1913

Mein lieber Freund Fröhlich!

Ich erhielt Deine lieben Zeilen vom 17. pti, also am Tage bevor der hiesige Rummel zu Ende ging. Ich erhielt schon einige Zeitungsausschnitte aus Deutschland, worin die unglaublichsten Dinge erzählt werden, was hier Alles passiert sein soll. Es war ja auch schauderhaft und einfach unerhört. Das Regime des Hallunken Madero stank schon zum Himmel und lange konnte es so nicht mehr fortgehen, denn diese Bande hat entsetzlich gewirtschaftet und die Staatsfinanzen auf den Hund gebracht. Man macht sich im Ausland keinen Begriff von der Schweinewirtschaft, die eingerissen war. Es war höchste Zeit, dass es zu Ende ging mit Madero & Co und man hat gründlich fortgeräumt.

Es ging am 9. Febr. früh an. Wir wohnen direct dem Palast gegenüber an der grossen Plaza, woran auch die Kathedrale liegt. Man hatte Nachts Maschinengewehre in die Türme geschafft und schoss darauf los, was das Zeug hielt. Die ersten Schüsse gingen schon in unsere grossen Wasserbehälter, die auf dem flachen Dach sind, 10 Stück, wovon die beiden grössten sofort durchlöchert wurden und ihr Wasser über ein Glasdach ergossen. Sonntags ist fast Niemand im Geschäftshaus, und da ich fürchtete, dass unser Wasservorrat auslaufe (die Wasserleitung ist das erste, was diese Kerle abschneiden), so musste ich aufs Dach, um die intakten Behälter abzustellen. Eine etwas ungemütliche Affaire.

Dann zog sich Felix Diaz, da er den Palast nicht nehmen wollte, nach dem Arsenal zurück, eroberte dies mit leichter Mühe und verschanzte sich in den umliegenden Strassen, bevor Madero wusste, wie ihm geschah. Leider blieben die Truppen dem Kerl treu und so kam es, dass die Entscheidung sich so lange hinzog. Wir waren 12 Tage eingeschlossen, denn da wir direct im Centrum wohnten, glaubte ich meine Wohnung nicht verlassen zu dürfen, obwohl die Vorstädte ganz sicher waren. Meine Familie wollte mich nicht allein lassen, es musste auch schlimm kommen, wenn wir in Gefahr geraten sollten. Die beiden Gebäude sind 5 und 6stöckig und in Gefahr waren nur die oberen Stockwerke.

In den ersten 2 Tagen hatte man etwas Bedenken, oben zu sein, und wir hielten uns im Geschäft auf, dann sahen wir aber, dass es nicht so schlimm war und blieben ruhig oben. Alle 2 Tage holten wir, wenn die Schiesserei etwas aufhörte, die Post und mit 4 jungen Deutschen, die auch im Geschäft wohnten, wurde gearbeitet. Über uns platzten viele Shrapnells, welche auf den Palast geschossen wurden. Aber Du machst Dir kein Bild, 12 Tage und Nächste [sic] diese haarsträubende Schiesserei, besonders der Maschinengewehre. Der Sachschaden ist enorm und geht in die Millionen. Ca 1200 Menschen, darunter viele neugierige Civilisten, kamen um, die Verwundeten nicht gerechnet.

Meine Tante nimmt eine Kollection Fotografien mit, die sie drüben zeigen kann. Da kannst Du einmal sehen, was geleistet wurde. Vor einigen Tagen wurde Madero und der Vicepräsident nach dem Strafgefängnis überführt & und man machte einen Befreiungsversuch, wobei diese beiden Verbrecher an ihrem Vaterland ihre edlen Taten mit dem Leben büssen mussten. Das klingst zwar brutal, aber es ist das Beste, was passieren konnte. Nur so kann es bald Frieden und Ordnung geben. Die neue interimistische Regierung ist gut zusammengestellt, und wir haben die Hoffnung, dass wir jetzt rasch wieder in bessere Bahnen kommen.

Für das Geschäft ist dies natürlich schlimm, aber was will man machen. Mit dem Millionärspielen wird es auf diese Weise nichts, glaube auch nicht, dass ich so viel Ehrgeiz habe. Ein bisschen weniger tut es auch.

Anbei sende ich Dir einige Marken.i Wenn Du mehr haben willst, sage es nur. Wer sind eigentlich die jungen Leute, welche sich etablieren? Kenne ich sie?

Ich hoffe, bald wieder von Dir zu hören. Grüsse mir bestens die Herren der Firma, ebenso Deine werte Frau und sei herzlichst gegrüsst von

Deinem alten Freund!
C. Reichert

Bassler & Ottmann geht es gut. Ottmann geht jedenfalls im Spätjahr zu Besuch nach Deutschland.

[i] Briefmarken